Startseite
  Archiv
  What do you like, Darling?
  ♪♪♪
  Gedichte
  Wer nicht liest, ist doof.
  Baggersee - Visuelle Eindrücke
  Stillleben
  DWfB - Das Comeback
  Gästebuch

 
Links
   Aaron
   Franzi
   Teja
   Der beste überhaupt
   Mo's Bilder, Teil 1
   Mo's Bilder, Teil 2

http://myblog.de/herdi

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Wieder im Lande - und nun?!

Willkommen. Naja, eigentlich bin ich ja schon seit fast vier Wochen wieder in Deutschland. Wie die Zeit rast. Fliegt, besser gesagt. In Lichtjahren. Aber richtig wieder angekommen bin ich erst Samstag, denn davor wurde neun Tage gerungen, ohne Worte, mit dem LJO Bremen.
Aber nun erstmal von Anfang an.

Ja, wo soll ich eigentlich anfangen?! Ich werde hier garantiert keine Australien-Zusammenfassung schreiben. Erstmal ist das viel zu viel, dafür bin ich zu faul, außerdem interessiert es bestimmt eh nicht jeden hier, und wer was genaues wissen will, kann mich einfach fragen - I promise that I won't bite!
Außerdem wäre es auch total schwierig, das alles zusammen zu fassen - man kann es einfach kaum beschreiben. Man kann es nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, so verdammt weit weg von allem, was man kennt, zu sein und noch nicht mal eine Anschrift zu haben, ein Zuhause. Diese 'spirit' muss man einfach selber mal erlebt haben, finde ich. Und ja, so klischéehaft das nun klingen mag, es stimmt, dass man sich verändert und viel über sich rausfindet - muss nicht immer positiver Natur sein. Selbstständig, klar. Aber auch egoistischer und ich bin abgestumpft. Ich fühle trotzdem alles, aber irgendwie kommt das alles nicht mehr so an mich ran wie vorher. Ganz komisch. Und ja, es stimmt, wenn man ein Mal weggeht, geht man das Risiko ein, dass man immer wieder weg will. Geht mir auch so. Wisst ihr eigentlich, wie hässlich Deutschland ist? Und ich meine jetzt nicht nur von den Menschen her oder das allgemeine Unfreundlich-/Unpersönlichsein, sondern einfach das Land. Unglaublich. Was hält mich hier. Hätte ich das Geld, ich würde wieder weg. Einfach verschwinden. Aber mein Kontostand sagt 2 Euro Haben, da ist das wohl nicht so gut möglich. Und die Sprache. Ich will wieder Englisch reden. I miss it so much! Hätte ich ja nicht gedacht.
Naja, genug gejammert. Aber macht's einfach mal selber, dann werde ich bestimmt verstanden.

Ja, das LJO-Projekt war schon legendär. Allein die Fahrt dorthin. Oh man. Manoel holte mich in Bremen am Bahnhof an, mit Verspätung wegen Verfahrerei. Okay. Im Auto, nochmal verfahren, fast einen Unfall gebaut, dann die falsche Autobahnausfahrt genommen, die Straße verpasst, mussten wenden, und dann stecken wir auf einer grünen Wiese im Schlamm fest und lachen uns erstmal kaputt. Da saßen wir gerade mal eine Stunde zusammen im Auto, nachdem wir uns vier Monate nicht gesehen hatten - das muss man auch erstmal schaffen. Zur Probe kamen wir dennoch pünktlich, dennoch mit einer Stunde Verspätung. Nachdem wir uns richtig häuslich eingerichtet hatten, mündete die Woche in einem Gesaufe-Gelache-Gelaber-Lästerei-Stumpfe-Sprüche-Sinnlose-Dialoge-Blamagen-Schlammschlacht-Schwerkraftskampf-Gelage, oder so. Das zu erklären wäre sinnfrei, denn es würde eh von den meisten nicht verstanden werden. Besser, man erinnert sich selber an die ganzen blöden Sätze, die gesagt wurden und die Insider-Witze, die keiner versteht, und selbst wenn man sie erklären würde, würde es wahrscheinlich eh keiner witzig finden. Es war jedenfalls eine grandiose Woche, die ich so schnell nicht vergessen werde. Wie könnte ich auch. Jedenfalls, ich denk an euch...

Und seitdem - ja. Erstmal richtig hier ankommen. Versuchen, mich wohl zu fühlen. Morgen wird das erste Mal nach vier Monaten wieder gearbeitet. Zukunftspläne wurden auch schon geschmiedet. Ich werde etwa 23 Unis anschreiben für alles Mögliche, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendwo angenommen werde oder nachrücke, größer. Und auch, wenn ich weder weiß, was ich studieren werde noch wo, so freue ich mich doch darauf. Ich bin gespannt, was das Leben mir noch so bringt. Und ob ich meine in Australien angelernte Selbstständigkeit auch hier in Deutschland benutzen kann oder ob ich an der Bürokratie hier verzweifeln werde. Aber momentan kann ich nicht länger als eine Woche im Voraus planen. Trotzdem habe ich Pläne für bis ich 30 bin: Ich will noch eine weitere Sprache lernen und nochmal reisen. In zehn Jahren sehen wir ja, ob ich's geschafft habe oder nicht.

Und ich versuche, diese Page hier wieder zum Leben zu erwecken...
Ein schönes Wochenende an alle.

[ City And Colour - Confessions ]

4.4.08 15:12


And I feel.

Äh, ja, soviel zum Thema, wieder zum Leben erwecken.
Also, zweiter Anlauf.

Was gibt's zu sagen...
Also, ich bin nun offiziell wieder gesund.
Ich habe das Pfeiffersche Drüsenfieber überlebt! Es war nicht immer schön. Husten, Schnupfen, was ist Hunger?!, Müdigkeit trotz zehn Stunden Schlaf. Sozial vollkommen abgeschieden. Nun ja, nicht ganz. Die ein oder andere Person hat dann doch seine/ihre Zeit mit mir verbracht, und dafür bin ich unendlich dankbar. Ich weiß nicht, was ich sonst getan hätte. Ist nämlich kein so schönes Gefühl, wenn eigentlich fast niemand was mit dir unternehmen will, weil man sich ja anstecken könnte. Klar ist eine Gefahr da, aber das macht man doch auch nicht mit Leuten, die bloß eine Erkältung haben. Nun denn, die Leute wissen, denke ich, dass ich sie anspreche. Also, die Leute, denen ich dankbar bin. Namentlich zu erwähnen sind diesbezüglich Manoel, Julie und Essi. Danke!
Dass ich gesund bin (zumindest zu 99%, in 5 Wochen muss ich nochmal hin, es gibt da noch zwei Leberwerte, die
minimal erhöht sind), bedeutet, ich darf wieder arbeiten und meine Geldbörse füllen. In dieser befindet sich noch nicht mal mehr ein Euro. Ganz schön erbärmlich.

Jetzt, so langsam, im Laufe der Zeit, merke ich, wie sich die Veränderungen meiner Selbst während meiner Reise, auf mein Leben hier auswirken. Ich bin nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Nun ja, ich lache noch über den gleichen Mist, bin immer noch absolut verrückt (ich habe "den Schuss nicht gehört"), aber da gibt es auch andere Sachen. Einstellungen.Selbstvertrauen. Egoismus. Dass ich mich einfach auf mich und mein eigenes Urteil verlassen kann und nicht mehr noch die Meinung von anderen brauche, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Früher hätte ich jemanden angerufen, gefragt "Was soll ich machen?" und mich darauf verlassen. Aber jetzt kann ich das selber. Und darauf bin ich irgendwie stolz. Manchmal dieses eine Gefühl, dass man hier nicht hergehört. No I am not where I belong (Dallas Green). Aber es geht nicht wieder weg. Und das tut manchmal verdammt weh. Fühlt sich an, als würde man gern da und da hinlaufen, aber man wird zurückgezogen, sieht noch, wie der Weg aussieht, aber man kann ihn nicht gehen, weil man festgehalten wird. Von einem leeren Konto, der Vernunft, von allem möglichen. Und trotzdem kann man dann, ganz manchmal, froh sein, dass man zu dem glücklichen 1% gehört. Dazu, dass man was gesehen hat von der Welt, eine andere Seite gelesen hat. Und dass man in Gedanken immer wieder reisen kann. Mit dem Unterschied, dass man genau weiß, wie es dort aussieht und man sich nichts ausmalen muss. Manchmal, wenn ich ich die Augen schließe, laufe ich durch die WG in Brisbane. Damit ich's nicht vergesse. Ich laufe durch das Haus, nein, erst am Haus vorbei, schließlich hat für die Tür vorne kaum jemand einen Schlüssel und die Hintertür ist eh immer offen, dann durch die Küche, dann über den Flur und dann in Nadias/mein Zimmer. Dann von da aus in die Küche, die EInkäufe verstauen, Platz schaffen im vollen Kühlschrank, dann zum Chillen auf die Veranda, ein paar Geckos (oder je nach Tageszeit auch Possums) beobachten, durch den einen Raum da wieder rein, Dinner kochen, und dann mit David und Nadia Dinner haben. Ja, doch, manchmal mache ich das. Oder manchmal laufe ich wieder am Strand von Rainbow Beach entlang und grabe meine Füße in den nassen Sand, der unter der Oberfläche ganz schwarz ist und glitzert. Oder ich bin auf Fraser Island, mit verdammt beschissenem Wetter und bin hin und weg, weil dieser See auch bei dunkelgrauen Wolken himmelblau ist. Oder ich bin in Bowen, dem Ort, an dem ich zum ersten Mal Südpazifik genossen habe und vollkommen überwältigt war. Dort habe ich eure Namen in den Sand geschrieben. Oder ich bin in Melbourne, am Federation Square, sehe die Flinder Street Station, diese Kirche da und diese Menschenmengen und den Hungry Jack's, bei dem ich immer auf Toilette war. Und dann denke ich I remember Melbourne... Oder ich bin am Bell's Beach und sehe diese wahnsinnig tolle Landschaft. Manchmal bin ich auch in Sydney und sehe zum ersten Mal das Opera House, und starre es einfach nur an, minutenlang, ohne ein einziges Bild zu machen, denn so werde ich es nie wieder sehen. Sydney hat mich verändert. Stärker gemacht. Oder ich bin in Byron Bay und fühle mich wie in einer anderen Zeit, umgeben von Hippies und in einem der wenigen Orte in Australien, in denen Haschisch wohl so gut wie legal ist. Ja, all das sehe ich manchmal. Und auch, wenn das alles mein Fernweh stärker macht und ich versuche, mich loszureißen, macht es mich auch glücklich, dass ich das alles gesehen habe und immer wieder dahin zurück kann. Kann nicht jeder behaupten. Deshalb der glückliche eine Prozent.

Soviel dazu.
Die Arbeit ruft.

[ Jack Johnson - All At Once ]

30.4.08 17:16





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung